Die im Januar in Kraft getretene Mehrwegsangebotspflicht für Restaurant, Bistros und Cafés gilt derzeit nur für Anbieter von Einwegverpackungen aus Kunststoff oder mit einem Kunststoffanteil. Pizzakartons sind somit vom Gesetz ausgenommen. Dabei verursacht die Verpackung des beliebtesten To-Go-Gerichts extrem viel Müll: 435 Millionen Pizza-Kartons werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen. Weil sie mit Fett und Öl versetzt sind, lassen sie sich nicht als Altpapier recyceln. Vielmehr müssen sie im Restmüll entsorgt werden, der zumeist verbrannt wird. Das verursacht eine schier unglaubliche Menge Müll, die jedes Jahr die Allianz Arena bis unters Dach füllen könnte.
Vier Regensburger lies dieser Irrsinn nicht los und so entstand im März 2021 die Idee einer Pfand-Box für Pizzen: „tornerò – ich werde wiederkommen“. Seit Dezember liefert das junge Unternehmen die ersten Pfand-Boxen an Pizzerien aus. Auch in Waren gibt es einen Vorreiter: LENK’S Pizza Express bietet das Pfandsystem von tornerò an.
Noch ist es eine überschaubare Zahl, die zwischen Ostsee und Chiemsee ihren Kunden das tornerò Pfandsystem anbietet, doch die Erfinder haben große Hoffnung, dass bald viele Pizzerien auf diese Art von Müllvermeidung setzen.
Die Erfinder haben die Firma tornero GmbH gegründet. Jeder der Mitgründer bringt besondere Erfahrungen und Fähigkeiten mit, vom Produktdesigner bis zum Restaurantbetreiber. Doch sie alle verbindet das gemeinsame Ziel, die Welt von unnötigem Müll zu befreien.
Cooles Wellendesign
Pizza lässt sich nicht einfach in herkömmliche Mehrweglösungen verpacken. Über das Design ihrer Pizza-Pfand Box haben sich die Gründer von tornerò daher viele Gedanken gemacht. Um herauszufinden, wie die optimale Lösung aussehen soll, führten sie im Vorfeld etliche Gespräche mit Pizzeria-Betreibern. Die wichtigste Anforderung war offensichtlich: die Pizza soll knusprig und warm bleiben. Ebenso wichtig war den Wirten eine einfache Handhabung. So wünschten sie sich, dass die Mehrwegboxen platzsparend stapelbar, leicht zu reinigen und schnell zu schließen sind. Herausgekommen ist eine Pizza-Pfand-Box aus vollständig recycelbarem Polypropylen im coolen Wellendesign, die zudem auch noch richtig gut aussieht. In tornerò’s stylischer Pizza-Pfand-Box geliefert oder abgeholt präsentiert sich das beliebte To-Go-Gericht appetitlich und mit Stil, wie auf einem Teller im Restaurant.
Ersetzt 500 herkömmliche Pizzakartons
Und all das mit gutem Gewissen, denn ein einziger tornerò spart nach Angaben der Erfinder 500 herkömmliche Pizzakartons ein. So wird jede Bestellung zum kleinen Beitrag für das große Ziel. „Würde man die Einwegverpackungen aufeinanderstapeln, wäre das ein Turm von 20 Meter Höhe“, verdeutlicht Mitgründer Gerhard Reichert, Produkt-Designer an der HfG Schwäbisch Gmünd den positiven Effekt für die Umwelt. Er lieferte das funktional durchdachte Design der Pizza-Pfand-Box.
Pizzakartons sind nicht nur ein Müllproblem. In der Einwegverpackung aus Pappe finden sich auch „ewige“ Chemikalien – PFAS. Sie sollen die Kartons vor dem Durchweichen schützen und sorgen dafür, dass die Pizza nicht im Karton anklebt. Die toxischen Stoffe bauen sich extrem langsam in der Umwelt ab und sind mittlerweile überall auf der Welt nachweisbar. Auch im menschlichen Körper sammeln sie sich über die Jahre an und sind im Blut und in der Muttermilch zu finden. PFAS gelten als krebserregend und stehen im Verdacht eine Reihe von Gesundheitsschäden verursachen.
Ziel von tornerò ist es, möglichst viele Pizzerien in ganz Deutschland für ihr Pfandsystem zu gewinnen und so nicht nur den Co2 Ausstoß und die Verschwendung von Ressourcen durch Einweg-Pizza-Kartons aufzuhalten, sondern auch für ein saubereres Stadtbild zu sorgen. Denn Städte und Kommunen leiden unter der Last unzähliger Pizzakartons, die aufgrund ihrer Größe meist neben den öffentlichen Mülleimern landen. Und am Ende spart die Pizzeria auch noch Geld.








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